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                                                     Latest exhibition:
                                    2016  
              Galerie  im  Stammelbach  Speicher  
               Wachsmuthstraße  20/22,  Hildesheim 
 
 
Dr. Norbert Hilbig, curator at Stammelbachspeicher:

Wie sagt man das Unsägliche? Wie bildet man ab, wovon es keine Bilder gibt? Wie macht man sich ein Bild von dem, was zu sehen unerträglich wäre? Wie drückt man aus, was auszudrücken einem die Knie weich macht? Katrin Jakobsen, die 1958 in Hamburg geborene und in Paris lebende Künstlerin, hat genau dies versucht. Und es ist ihr gelungen.

Als Fotoreporterin ist sie viel unterwegs gewesen in der Welt. Auch in Südostasien. Und dort hat sie jene Männer gesehen, mit den kleinen Mädchen oder Jungen an der Hand oder im Arm, abends auf der Straße und später dann im Flugzeug, auf der Heimreise, mit einem Bier in der Hand, zurückgelehnt, selig nach getaner Tat. Und Katrin Jakobsen hat sich ein Bild gemacht von ihnen. Und von dem, was sie taten. Von dem Zerstörungswerk, das man fast euphemistisch „Missbrauch“ nennt.

Sie hat unfassbare Szenen fassbar gemacht, hat sie rekonstruiert, nachgebaut, modelliert. Wie Puppenhäuser, wie Puppenstuben sehen wir die Orte der Täter und Opfer. Sie bringt uns dem Unbegreiflichen nahe und hält uns zugleich auf Distanz. Sie macht uns zu Augenzeugen, ohne dass wir Komplizen würden. Ihre Szenarien sind konkret und doch verschwommen. Wir werden Wissende und bleiben doch Ahnungslose. Nein, eine Ahnung von dem Unsäglichen bekommen wir schon. Eine beklemmende Ahnung, die sich ausdehnt zu einer Wunde, für die es keinen Verband gibt.

Der Ausstellungstitel „alles wird gut“ lügt. Nichts wird gut. Es gibt keinen Verband für die Wunde. Und kein Vergessen. Und keine Vergebung. Unsere Zeugenschaft macht uns zu Wissenden. Und Katrin Jakobsen fordert uns heraus, uns zu positionieren. Wie verhalten wir uns zu unseren wissenden Ahnungen? Wie wollen wir leben in dieser Welt, in der nicht „alles gut“ ist und auch nicht „alles gut“ wird, in der die Schreie hörbar und doch ungehört mal laut und dann leiser werden. Vor lauter Erschöpfung.

Diese Ausstellung ist eine unerhörte Zumutung, der man sich aussetzen muss. Sie überwältigt in ihrer Eindringlichkeit. Sie bedrückt und erhellt. Sie zeigt, was nicht zu zeigen ist. Ihr gelingt, was ganz eigentlich nicht gelingen kann. Sie ist so laut, dass man selbst ganz still wird. Oder umgekehrt: Sie ist so still, dass man laut werden müsste. Weil man die Stille nicht aushält.

 

 

 
"alles wird gut" has been shown so far:
 
2016: Galerie Stammelbachspeicher, Hildesheim
2011 : Fait & Cause, Paris
2010 : ZKM, Karlsruhe, Germany
2010 : Villanella, Antwerp, Belgium
2009 : Sammlung Falckenberg, Hamburg, Germany
2008 : Galleri Rönnquist, Malmö, Sweden 
 
 
 
 
 
 
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